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Montessoris Ziele

Maria Montessori wollte erziehen, um die Welt zu verändern

Wandbild Montessoris in der Evangelischen Schraden-Grundschule Großthiemig Maria Montessori (Schraden-Grundschule Großthiemig)

Die Pädagogik Maria Montessoris entstand vor dem Hintergrund der Reformströmungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als immer mehr Menschen mit den neuartigen Anforderungen des Industriezeitalters umgehen lernen mussten. Viele Bürgerliche, denen es besser ging als diesen neuen Bewohnerinnen und Bewohnern der Städte, wollten sich davor schützen, dass sich die Armen mit Gewalt holten, was sie zum Leben brauchten.

 

Bürgerliche Versuche der Weltverbesserung

 

Architekten dieser Zeit entwarfen Konzepte für andere Wohnweisen, die nicht nur mehr Komfort bieten, sondern die Menschen auch zu einem Wohnen erziehen sollten, das besser an die Stadt angepasst war. Sozialwissenschaftler machten (teils widersprüchliche) Vorschläge für ein besseres Zusammenleben,und im Bereich der Pädagogik versuchten Reformerinnen und Reformer die Gesellschaft zu verbessern, indem sie einzelne Menschen „verbessern“, sprich anders als bisher erziehen wollten.

 

Kinder: Hoffnungsträger einer neuen Zeit

 

„Das Kind fungierte als Hoffnungsträger einer neuen Gesellschaftsordnung,“ schreibt Ursula Busch dazu in ihrem Buch „Gestaltung computergestützter Lernprogramme unter Berücksichtigung der pädagogischen Konzeption Maria Montessoris“ (dort nachzulesen auf Seite 7). „Viele Pädagogen dieser Zeit zeigten ein großes Vertrauen in die Selbstbildungskräfte des Kindes. (…) Der penarbeit an. Freinet schätzte vor allem Selbstverwaltung und (schriftlich zu druckende) Meinungsfreiheit. Key wollte in einer Gesamtschule den verpflichtenden Unterricht auf das Nötigste beschränken, das Lernen individualisieren und auf Zeugnisse verzichten. Wesentlich bei Maria Montessori war dagegen die Einzelarbeit mit bestimmtem, von ihr vorgegebenem Material in einer für das Lernen „vorbereiteten Umgebung".

 

Kritische Anmerkungen zur Reformpädagogik

 

Zu den Kritikern der Reformpädagogik zählen Ralf Koerrenz, Jürgen Oelkers und Winfried Böhm. Sie ordnen die reformpädagogischen Entwürfe als nicht mehr zeitgemäß ein. Häufig lägen ihnen romantisierende Vorstellungen zugrunde, die sich nicht an der Schulrealität der Zeit orientierten. Gefährlich sei es, einzelne Reformpädagogen oder -pädagoginnen als Heldenfiguren zu sehen, weil das zu einer Ideologisierung führe. Wichtig ist den Kritikern vor allem, dass man Bildungsreformen heute auf die Gesellschaft abstimmt, für die sie die Lernenden vorbereiten soll.

 

Grundlagen und Vorläufer der Montessori-MethodeMontessori entwickelte ihr Konzept aus der Erfahrung heraus, die sie bei ihrer ärztlichen Tätigkeit mit geistig behinderten Kindern in einer psychiatrischen Klinik gesammelt hatte. Dabei berücksichtigte sie unter anderem die Erkenntnisse des französischen Arztes und Pädagogen Edouard Séguin, der seinerseits von Jean-Marc Gaspard Itard beeinflusst war, einem anderen französischen Arzt und Behinderten-Pädagogen. Deren Ideen waren zur Zeit Montessoris zum Teil schon so alt wie ihre Ideen heute.

 

Sinneserfahrungen als Basis des Lernens

 

Wie der Aufklärer Jean-Jacques Rousseau war sie der Meinung, dass Kinder vor allem durch Sinneserfahrungen lernen, weil das „Begreifen“ anfassbarer Dinge das Begreifen abstrakter Zusammenhänge erleichtere. Die wissenschaftliche Methode der genauen Messung körperlicher Entwicklung übernahm sie von ihrem Lehrer Giuseppe Sergi, einem Vertreter der Pädagogischen Anthropologie. Ihr Menschenbild war sowohl von ihrem naturwissenschaftlichen Interesse als auch von ihrem christlichkatholischen Glauben geprägt.

 

Die Autorin dieses Beitrags ist Elke H. Zobel, freie Journalistin