Kinder stark machen
"Kleine ForscherInnen" zwischen Wirtschaft und Persönlichkeit
Mädchen und Jungen experimentieren im Kindergarten gleichermaßen begeistert.
„Durch das Experimentieren können nicht nur die Neugierde und die Begeisterung für naturwissen-schaftliche und technische Phänomene gefördert werden, sondern auch eine Reihe weiterer Basiskompeten-zen, die die Kinder für ihren späteren Lebensweg benötigen,“ wird auf der Internet-Seite der Stiftung das pädagogische Konzept erklärt. „Dazu gehören z.B. Lernkompetenz, Sprachkompetenz, Sozialkompetenz oder Feinmotorik.“
Prof. Dr. Roland Wöller, Kultusminister von Sachsen.
„Unser gemeinsames Ziel ist es, die Neugierde der Kinder auf Naturphänomene zu fördern, denn die Kinder von heute sind die Fachkräfte von morgen“, stellte Prof. Dr. Roland Wöller, der sächsische Kultusminister, den Standpunkt der Landespolitik klar. – „Wir möchten allen Kitas die Chance geben, selbst ein ‚Haus der kleinen Forscher’ zu werden und allen Kindern ermöglichen, ihre Freude am Lernen und Forschen zu entwickeln“, setzte Dr. Peter Rösner, Geschäftsführer der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ dagegen.
Es ist nicht ganz einfach, die Schnittstelle zwischen frühkindlicher Bildung und Wirtschaft herzustellen: „Unsere Tätigkeit ist eine Art Gratwanderung zwischen den Interessen der Sponsoren aus den Handwerkskammern, den Handelskammern und Unternehmen und denen der Fachkräfte in den Kindertagesstätten, der Pädagoginnen und der Eltern“, erklärte in Dresden beim Presseempfang informell eine Mitarbeiterin der Stiftung. „Der Wirtschaft geht es hauptsächlich darum, möglichst frühzeitig Nachwuchs für die naturwissenschaftlich-technischen Berufe zu gewinnen, den Erzieherinnen, Eltern und SozialwissenschaftlerInnen dagegen geht es um eine ganzheitliche Frühförderung der Kinder, bei der ein naturwissenschaftliches Experimentieren nur Mittel zum Zweck ist.
Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.
Das erforschende Lernen fördert ja unter anderem auch die Sprach- und Kooperationsfähigkeit und die Selbstwirksamkeitserwartung der Kinder. Die Kompetenzerfahrung macht sie stark und selbstbewusst, und genau diese Eigenschaften werden sie später im Beruf brauchen – keineswegs nur bezogen auf Naturwissenschaft und Technik.“
Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, zeigte deutlich, was er sich von dem Projekt verspricht: Die Moderatorin Petra Schwarz beglückwünschte während der Dresdner Podiumsdiskussion einen jungen Erzieher zu seiner Berufswahl und merkte an, dass es auch ein Ziel sein könne, mehr junge Männer für pädagogisch-soziale Berufe zu motivieren. Brzezinski aber wehrte sofort ab: „Dann bleiben uns ja zu wenig Auszubildende für die technischen Berufe!“
Hans-Joachim Wunderling, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen.
Auch Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südwestsachen, dachte bei den zu erwerbenden Fähigkeiten der Kinder, vor allem an deren Verwertbarkeit in Unternehmen der warenproduzierenden Wirtschaft: „Auch einem Betriebswirt schadet technische Grundkompetenz nicht“, sagte er wörtlich.
Für wünschenswert hielte er es außerdem, wenn „vor allem mehr junge Frauen in gut bezahlte, nachhaltige Berufe wie die CNC-Bedienung“ gingen. Von der Moderatorin gefragt, was denn CNC überhaupt heiße, beschränkte er sich darauf zu sagen, dass es „was mit Computern zu tun“ habe und ein Fachbegriff sei. (Computerized Numerical Control bedeutet die computerunterstützte numerische Steuerung und Regelung von Maschinen, gearbeitet wird dabei mit einer Software, die festlegt, welche Arbeitsgänge eine Maschine in welcher Reihenfolge wie durchführen soll.) Was daran „nachhaltig“ sein soll, erklärte er ebenfalls nicht (Nachhaltigkeit ist ein Fachbegriff, der aus der Forstwirtschaft stammt. Gemeint ist ein Nutzungskonzept, bei dem sich ein bestehendes System selbst wiederherstellt, sodass es im Kern gleich bleibt, weil es auf natürliche Weise nachwachsen kann.)
„Aufgabe und Chance“ bleibt es also, um eine Pressemitteilung der Stiftung zu zitieren, „“allen Kindern möglichst gleiche Entwicklungsmöglichkeiten und damit auch möglichst gleiche Startchancen für das spätere Leben und die Schullaufbahn zu geben sowie Grundlagen für ein lebenslanges Lernen zu schaffen.“ Forschen und experimentieren können sie als Frauen und Männer dann später auf je eigenen Gebieten – als Ingenieurinnen und Technikprofessorinnen ebenso gut wie als Erzieher und Tagesväter.
Die Autorin dieses Beitrags ist Elke Speidel, Soziologin B.A.
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