Sag mir, wo die Bienen sind

Eine Biene sitzt mittig auf einer pinkfarbenen Blüte. Imker warnen: Bienen finden immer weniger Nahrung.

Am 5. August erreichte uns eine Pressemeldung, die vom Netzwerk Blühende Landschaft & Mellifera e.V. in Rosenfeld und der Demeter-Imkerei in Küpfendorf-Steinheim sowie dem Demeter- Verein in Darmstadt unterzeichnet war. Der Verein Demeter steht nach eigener Darstellung der antroposophischen Ideologie Rudolf Steiners nahe, der auch die Waldorfschulen verbunden sind.

 

Für Umweltfreunde, die sich zudem noch gern an ihre Kinderfreundin "Biene Maja" erinnern, klingt der Hinweis erschreckend: "Die Landschaft ernährt ihre Insekten nicht mehr", heißt es in der Überschrift. "Die Honigbienen in Deutschland leiden mitten im Sommer an Futtermangel und würden verhungern, wenn sie nicht vom Imker mit Zuckerwasser am Leben erhalten würden. Der Futtermangel in der Natur ist dramatisch", erklärt Imkermeister Günter Friedmann, Sprecher der biodynamischen Demeter Imker, nach eigener Darstellung Träger des Förderpreises ökologischer Landbau und Mitbegründer des Netzwerks Blühende Landschaft.

 

"Beobachtungen an seinen eigenen Bienenvölkern und beunruhigende Meldungen von Imkerkollegen aus ganz Deutschland", veranlassen ihn der Pressemeldung zufolge, "einen Alarmruf zu starten". Die Beschäftigten und Verantwortlichen in der Landwirtschaft müssen rasch umdenken und anders handeln, sonst würden wir "stumme Sommer erleben", warnt der Bienenfachmann und Vertreter der Imker-Lobby. Dann würden wir in der Praxis erfahren, "dass die Bienen für die Bestäubung und damit auch für die Ernten unersetzlich sind."

 

Friedmann, heißt es in der Meldung weiter, sei "seit 30 Jahren Berufsimker, aber mit einer solchen Situation sei er noch nie konfrontiert worden, obwohl sich diese Entwicklung eigentlich seit mehreren Jahren anbahne und auch zu den Bienenverlusten der letzten Jahre beigetragen habe.Nach der Rapsblüte, Mitte bis Ende Mai, beginne für die Bienen in vielen Regionen Deutschlands "eine Zeit des Mangels und oft auch des Hungerns".

 

Gerade in den Jahren, in denen es aus dem Wald keinen Honig zu gewinnen gebe, werde deutlich, dass auf den Feldern und Wiesen mittlerweile zu wenig blühe, um den Insekten ausreichend Nahrung zu bieten. Verantwortlich dafür ist nach Ansicht von Friedmann die sich immer weiter beschleunigende Intensivierung der Landwirtschaft. "Insbesondere der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und die Gewinnung von Biogas wirken sich besondes dramatisch aus", wird in der Pressemitteilung betont. In vielen Regionen dominiere zudem der Maisanbau und die Wiesen würden zur Gewinnung von Silage jeweils vor der Blüte so oft gemäht, dass dort für blütenbesuchende Insekten nichts mehr zu holen sei.Viel schlechter als den Honigbienen gehe es aber Wildbienen und Schmetterlingen, deren Lobby zu klein sei.

 

Das Fatale daran: Wie die Imkerei-Lobbyisten zutreffend erinnern, ist die Vogelwelt direkt abhängig von den Insekten abhängig, und ihre Bestände gehen zurück, wenn diese Nahrungsquelle nicht mehr ausreicht. Laut Imker Friedmann wären “stumme Sommer" die Folge - also Sommer nicht nur ohne Summen, sondern auch ohne Vogelzwitschern.

 

Zitiert werden zur Untermauerung dieser Ansicht Forschungen der Bienenwissenschaft: Professor Dr. Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg bestätige, dass sich sowohl durch die fehlende Menge als auch durch die mangelnde Vielfalt des noch vorhandenen Blütenangebotes die Fitness der Völker der Honigbienen zum Teil drastisch verschlechtert habe und "ein zu geringes und zu einseitiges Blütenangebot zur Schwächung und im Extremfall zum Zusammenbruch der Bienenvölker führt".

Ein Bild haben die Autoren der Pressemitteilung nicht mitgeliefert. Wir haben den Beitrag daher mit einem Foto des Webalbums www.kostenlos-fotos.de illustriert. Redigiert ist die Pressemitteilung von Elke H. Zobel.